100 Jahre HANSA

100 Jahre HANSA – wir spenden: 10.000 Euro für GoBanyo

Jeder Mensch hat das Recht, sich zu waschen

Gemeinschaft und Zusammenhalt prägen uns als Genossenschaft. Und genau diese Werte stehen auch im Mittelpunkt unseres 100-jährigen Jubiläums. Wir sind füreinander da – innerhalb der Genossenschaft, aber auch für Menschen außerhalb. Deshalb ergänzen wir die Mitgliederaktivitäten in unseren Wohnanlagen um einen besonderen Baustein: 100 Jahre HANSA – das ist auch ein Anlass zu spenden. Insgesamt 30.000 Euro, verteilt auf drei Organisationen in Hamburg.


Im Dezember haben wir einen Spendenscheck in Höhe von 10.000 Euro an GoBanyo übergeben. GoBanyo stellt einen Duschbus für wohnungslose Menschen zur Verfügung. Vor Ort durften wir einen Blick in den Bus werfen und haben viel über das Projekt und die Arbeit von GoBanyo erfahren. Das hat uns tief bewegt.


Als wir ankommen (selbstverständlich nach dem Duschbetrieb), werden wir direkt von Chris Poelmann empfangen. Er war von Anfang an mehrere Jahre lang in der Geschäftsführung von GoBanyo tätig und kümmert sich jetzt um den Bereich Fundraising und Finanzen. Bevor wir in den Duschbus gehen, erzählt Chris uns spannende Meilensteine von GoBanyo.
Die Idee für den Duschbus entstand im Jahr 2018. Gründungsmitglied und Botschafter Dominik Bloh war selbst lange obdachlos und weiß aus eigener Erfahrung, dass auch Menschen auf der Straße ein grundlegendes Bedürfnis nach Hygiene haben. Doch öffentliche Duschen sind rar, kosten Geld und sind oft nicht zu erreichen. Dominik Bloh, Chris Poelmann und Gülay Ulaş gründeten die gemeinnützige Organisation GoBanyo. Nach intensiver Planung und einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne wurde im Juni 2019 mit dem Umbau eines ausrangierten Linienbusses der Hamburger Hochbahn begonnen. Im Dezember 2019 war es dann so weit: Die ersten obdachlosen Menschen konnten den Duschbus nutzen. 


Dann führt Chris uns zu einem Pavillon, der vor dem Bus aufgebaut ist: Um den Duschbus zu nutzen, muss man sich hier zuerst für ein Zeitfenster eintragen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man seinen echten Namen oder ein Pseudonym angibt – der Zugang soll so niedrigschwellig wie möglich sein. Die Einteilung in Zeitfenster von 30 Minuten hat sich als beste Lösung erwiesen, um den Duschbetrieb zu organisieren. Manche Gäste bleiben und warten vor Ort, bis ihre Duschzeit anfängt, manche ziehen zwischenzeitlich auch nochmal los, jede*r handhabt das ein wenig anders.
In dem Pavillon befindet sich auch ein Textil- und Produktausgabeschrank. Hier erhalten die Duschgäste neue Unterwäsche, Handtücher, Pflegeprodukte und bei Bedarf auch saubere Kleidung. Anschließend betreten wir den Duschbus. Wir gehen über die Rampe, die sich am Hintereingang der Hochbahn-Busse befindet. Dort zeigt uns Chris das größte von insgesamt drei Badezimmern, das auch von Menschen mit Rollstuhl genutzt werden kann. Die Badezimmer verfügen jeweils über eine Dusche, eine Toilette, ein Waschbecken und einen wasserdichten Schrank mit Steckdose. Nach jedem Duschvorgang werden die Badezimmer mit heißem Wasser (90 °C) gereinigt.


Anschließend zeigt Chris uns das Herzstück des Busses: die Technik. Es gibt zwei große Wassertanks, einen für Frischwasser und einen für Abwasser. Eine Pumpe bewegt das Frischwasser vom Tank über einen Boiler in die Duschen. Die Erhitzung des Wassers erfolgt über die Standheizung, die früher für das Beheizen des Busses eingesetzt wurde. Wir sind fasziniert, wie all diese Technik auf kleinstem Raum untergebracht werden kann.


Wir verlassen den Bus wieder über die Rampe und gelangen über den Einstieg vorne in den vorderen Teil des Busses. Hier befinden sich zwei weitere Badezimmer. Sie sind etwas kleiner als das im hinteren Bereich, ansonsten aber genau so ausgestattet. Neben den Badezimmern befinden sich hier im vorderen Teil des Busses auch Föne, eine Kaffeemaschine und ein Wasserkocher. Wer zum Duschen kommt, ist immer herzlich auf einen Kaffee oder Tee eingeladen und es gibt Bananen. Ein weiteres Essensangebot bietet GoBanyo bewusst nicht an. Es würde sonst schnell sehr trubelig rund um den Bus werden und das eigentliche Angebot – das Duschen – könnte in den Hintergrund rücken. „Wir von GoBanyo sind spezialisiert auf Hygiene und haben für unsere Duschgäste ausreichend Kleidung zu Verfügung, sind aber keine Kleiderkammer für alle. Für Essen oder Kleidung gibt es andere spezialisierte Organisationen. Natürlich sind wir aber gut vernetzt und unser Team zeigt den Gästen bei Bedarf gerne die nächste Möglichkeit, wo es Kleidung oder Essen gibt“, erklärt Chris.


Als wir den Bus verlassen, fragen wir, wie oft die Menschen eigentlich zum Duschen kommen – auch, wenn wir die Antwort schon erahnen: Das ist ganz unterschiedlich. Manche kommen einmal und nie wieder. Manche tasten sich auch langsam ran: gucken sich das Badezimmer erstmal nur vorsichtig an, gehen dann und kommen irgendwann wieder. Einige Gäste sind auch mehrmals pro Woche da. 
Es gibt auch Erlebnisse, die besonders in Erinnerung bleiben: Eine Person wollte einmal unbedingt sofort duschen. Dies ist eigentlich nicht möglich, da zuerst ein Zeitfenster gebucht werden muss und schon alles voll war. Das Team von GoBanyo fand an diesem Tag trotzdem einen Weg und ermöglichte dem Gast das Duschen. Eine Woche später kam die Person wieder und bedankte sich voller Freude: sie hatte an dem Tag einen Termin zum Vorstellungsgespräch gehabt – und den Job bekommen.


Dann berichtet Chris uns noch etwas, das uns sehr bewegt: Früher kamen ausschließlich obdachlose Menschen zum Duschen. Inzwischen nutzen aber auch Menschen mit eigener Wohnung das Angebot – etwa weil sie sich die Reparatur ihres Badezimmers nicht leisten können oder ihr Vermieter sich nicht darum kümmert. Darüber hinaus gibt es Gäste, die bei Kurier- oder Paketdiensten arbeiten und trotzdem kein Geld für eine Wohnung haben. Sie schlafen in ihren Autos und nutzen den Duschbus, um sich zu waschen. Natürlich trifft das nicht auf alle Menschen in diesem Berufsfeld zu – doch es macht uns traurig, dass es überhaupt zu solchen Situationen kommt.


Draußen auf den Bus blickend erzählt Chris uns noch die Hintergründe zur Farbgestaltung des Duschbusses. Das bunte Design ist ganz bewusst gewählt. Zum einen soll damit Farbe in den Alltag der obdachlosen Menschen gelangen, die ansonsten von viel Grau auf der Straße umgeben sind. Zum anderen sorgt die farbenfrohe Gestaltung für Aufmerksamkeit. 
Die hat dieses eindrucksvolle Projekt auf jeden Fall verdient: Der Duschbus fährt an fünf Tagen pro Woche drei unterschiedliche Standorte in Hamburg an, um für möglichst viele Menschen erreichbar zu sein. Seit Dezember 2019 ist GoBanyo 1.917 Duschbetriebstage unterwegs und hat dabei insgesamt 33.081 Duschgänge ermöglicht. 


Sie möchten helfen? GoBanyo ist immer offen für Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Und natürlich hilft auch jede Spende, damit der Duschbus weiter rollt. 
Weitere Informationen finden Sie unter gobanyo.org

Jana Kilian vom Vorstandsteam und Marlene Schnur aus dem Marketing überreichen Chris Poelmann von GoBanyo den Spendenscheck und durften einen Blick in den Duschbus werfen.

Im Bus befinden sich insgesamt drei Badezimmer. Sie alle sind mit Dusche, Toilette, Waschbecken sowie einem wasserdichten Schrank mit Steckdose ausgestattet.

Copyright: Julia Schwendner
 

Im hinteren Teil des Busses befindet sich das Herzstück: die Technik. Dazu gehört unter anderem ein großer Tank für das Frischwasser sowie eine Pumpe.

Copyright: Julia Schwendner
 

Seit Mitte Dezember ist ein neuer Duschbus von GoBanyo unterwegs. Der erste Bus, der seit 2019 im Einsatz ist, geht nun in „Reha“. Wie und wo er dann eingesetzt wird, wird noch entschieden.

Copyright: Julia Schwendner